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Tollwut

Nicht nur ein "Biss-chen" gefährlich:
Wohl jeder Reisende hat es in den südlichen Ländern erlebt: Beim abendlichen Spaziergang ist man plötzlich von einer Schar bettelnder Katzen umringt, und "zahme" Hunde folgen auf Schritt und Tritt, wenn man ihnen einmal mitleidsvoll einen Bissen zuwarf.
Nichts gegen Tierliebe, nichts gegen Mitleid gegenüber diesen erbarmenswerten Kreaturen.
Dennoch ist trotz der Zuwendung eine gewisse Distanz ratsam, denn es sind gerade die auffallend zahmen, Menschennähe suchenden Wildtiere und streunenden Haustieren, die für den Einzelnen die gefährlichste Infektionskrankheit übertragen können, die Tollwut.




Ist die Tollwut ausgebrochen, führt Sie unweigerlich zum Tode!
Es gibt trotz allen medizinischen Fortschritts keine Heilungsmöglichkeit. Und Jahr für Jahr fallen dieser gefährlichen Viruskrankheit Menschen zum Opfer, auch in Deutschland, mehr aber noch in den wildreichen wärmeren Ländern.
Wird bereits beim Verdacht auf eine mögliche Infektion durch Tierbisse vorbeugend geimpft, kann der tödliche Verlauf vermieden werden.

Was ist Tollwut?
Die Tollwut ist eine weltweit verbreitete Viruserkrankung, die von infizierten Tieren mit dem Speichel auch auf Menschen übertragen werden kann. Tollwut "isst" man nicht, auch das Einatmen der Erreger ist ungefährlich. Die Viren müssen durch die haut oder die Schleimhäute in den Organismus eindringen. Daher sind die Bisse von tollwütigen Tieren der wichtigste Übertragungsweg. Was aber oft nicht bekannt ist: Auch ohne Bissverletzung kann durch geifernde Tiere beim Streicheln o.ä. der Erreger durch kleine Hautverletzungen in den Körper eindringen.
Sind die Viren in den Organismus gelangt, gelangen sie auch in das zentrale Nervensystem. Dort - wie auch in den Speicheldrüsen - vermehren sie sich weiter und befallen. Die Nervenzellen werden irreparabel geschädigt. Dadurch kommt es zu Krampfzuständen (z.B. zu typischen Schluckkrämpfen), zu starker Unruhe, Schlaflosigkeit, Angstzuständen ("rasende Wut") oder zu verschiedensten Lähmungen und völliger Abgestumpftheit ("stille Wut").
Wichtig zu wissen ist jedoch, dass das Anfangsstadium dieser Virusinfektion völlig harmlos mit Kopfschmerzen, leichtem Fieber und eventuell Wundschmerz an der Bissstelle beginnt, in der Regel vier Tage nach der Infektion. Die eigentliche Tollwut bricht erst viel später aus. Das sechs Monate dauern, in manchen Fällen aber schon nach acht Tagen eintreten. Im Mittel dauert der Zeitraum von der Infektion bis zu Ausbruch der eigentlichen Tollwutsymptome drei bis fünf Wochen. Auch dieses Wissen ist wichtig! Es ist nämlich durchaus keine Beweis dafür, dass keine Tollwut übertragen wurde, wenn ein oder zwei Wochen nach dem Biss zunächst keinerlei Symptome mehr bestehen!

Wie kann man sich selbst schützen?
Auch wenn es banal klingen mag: Der einzig sichere und zuverlässige Schutz ist das Verhindern von Tierbissen und von Kontakten mit Speichel von tollwutkranken Tieren. Zum Speichelkontakt kommt es auch, wenn die so "zahmen" und zutraulichen Tiere die Haut des Menschen belecken. Katzen lecken bekanntlich ihr Fell sauber, so kann sogar beim Streicheln die Virusübertragung über kleine Hauteinriss erfolgen. Bei intakter Haut besteht keine Infektionsgefahr.

Dass Hunde und Füchse Tollwutüberträger sind, ist sicher allgemein bekannt. In Südamerika und Asien verursachen streunende Hunde etwa 90% aller Tollwutfälle.
Wenige wissen jedoch, dass auch unter den Haustieren Rinder, Schafe, Pferde und sogar Geflügel wie Tauben Tollwut übertragen können, wenn sie selbst erkrankt sind. Dass Hunde und Katzen die größte Rolle als Überträger spielen, liegt daran, dass diese Haustiere am ehesten zum Beißen neigen. Im der freien Wildbahn, auch im Urlaubsparadies, sind es auch nicht nur Füchse, sondern auch Marder, Dachse und sogar Rehe. Vorsicht also auch vor auffällig zahmen Rehen in freier Natur! In Kuba und Südafrika sind vor allem Mungos befallen. Im Prinzip können alle Warmblüter als Tollwut- überträger in Frage kommen.

Übertragen wird das Tollwutvirus stets nur von Tieren, die auch daran erkrankt sind. Nur blutleckende Fledermäuse (Vampire) können Tollwutviren übertragen, ohne offenbar selbst daran zu erkranken und zu sterben.

Wann sollte ein Arztbesuch erfolgen?
Nach jeder überraschenden Bissverletzung durch ein auffälliges (sehr zahmes oder im Wesen verändertes bzw. unbekanntes) Tier sollte vorsichtshalber ein Arzt konsultiert werden. "Überraschend" wird deshalb hervorgehoben, da ein geärgertes, gereiztes Tier oder ein Biss beim Spielen weniger Anlass zur Besorgnis bietet. Die Umstände des Bisses und das Aussehen des Tieres sind dabei möglichst genau zu beschreiben. Der Impfausweis sollte vorgelegt werden.

Was kann der Arzt tun?
Neben der Vorsicht gegenüber verdächtigen Tieren besteht die einzige Möglichkeit der Tollwut-Verhinderung in der gezielten Vorbeugung durch eine Schutzimpfung.
Reisende, die beruflich mit Tieren umgehen müssen, bei Camping- oder "Rucksack"-Reisen (Abenteuer-Urlaub) in Gebiete mit hoher Tollwutdichte oder bei Langzeitaufenthalten in diesen Regionen - fern von jeglicher medizinischer Hilfe - sollte eine vorbeugende (präexpositionelle) Schutzimpfung erfolgen. Präexpositionell bedeutet, dass die Impfung vor einem möglichen Tierkontakt erfolgt. Sollte tatsächlich eine Infektion mit Tollwutviren eintreten, kann der Organismus diese Erreger unschädlich machen, bevor sie die Nervenzellen als ihr Zielgebiet erreichen. Diese Impfung mit einem inaktiven Totimpfstoff wird regulär dreimal (Wiederholung am 7. Tag und 21. oder 28. Tag) verabreicht. Die Impfung sollte bei gefährdeten Personen alle zwei bis fünf Jahre wiederholt werden. Unbedingt neu zu impfen sind bislang Ungeimpfte oder nachzuimpfen sind Geimpfte, wenn sie Kontakt mit einem tollwutkranken Tier hatten (postexpositionelle Impfung).
Besteht begründeter Verdacht, dass das bissige Tier Tollwut haben könnte, wird außerdem eine passive Impfung verabreicht. Bei der passiven Impfung werden Eiweißstoffe gespritzt, die bereits Abwehrkörper gegen den Tollwuterreger enthalten.
Diese Entscheidung muss jedoch stets der Arzt treffen.
In unseren Regionen gilt, dass ein beißendes Tier, das nicht nachweislich gegen Tollwut geimpft ist, 10 Tage lang beobachtet wird. Kommt es in dieser Zeit nicht zum Auftreten von Tollwutzeichen beim Tier, muss keine Impfung des Gebissenen erfolgen bzw. kann die Impfserie abgebrochen werden. Zeigt das Tier in der Beobachtungszeit verdächtige Symptome oder wird im Gehirn des getöteten Tieres Tollwut nachgewiesen, muss unbedingt die aktive und passive Impfung gemeinsam erfolgen. Im Urlaubsland wird aber oftmals das Tier und sein Halter unbekannt bleiben, so dass diese Bobachtungsfrist schwer umzusetzen ist. Im Zweifel wird der Arzt stets zur vorsorglichen Impfung raten, auch wenn diese unangenehm ist. Denn: Ungeimpft gibt es keine Rettung mehr!

Tipps:
Sollte es zu einem Tierbiss kommen, dann muss die Wunde - anders als die Empfehlungen bei sonstigen Verletzungen lauten - unverzüglich gereinigt werden (auswaschen, desinfizieren mit Alkohol oder Desinfektionslösungen).

Tollwutkranke Tiere fallen oft dadurch auf, dass sie eine hochgradige Scheu vor Wasser entwickeln.