Es soll keineswegs Anliegen
der Empfehlungen dieser Reiseapotheke sein, stets nur den Zeigefinger
zu heben und vor allen denkbaren gefahren am Urlaubsort zu warnen.
Der positive Urlaubseffekt steht zweifellos im Vordergrund. Dennoch
kann es durch Unachtsamkeit oder Unwissen durchaus zu Problemen kommen,
die den Urlaub und die Zeit danach vergällen. Dazu zählen
auch Verletzungen durch Tierbisse, die mitleidige Tierfreunde am Urlaubsort
erleiden können.
Bissverletzungen im Urlaub sind keine Seltenheit. In den zurückliegenden
Jahren machten ja vor allem schwere Verletzungen durch Kampfhunde
Schlagzeilen.
Das sind aber nicht die einzigen Verursacher.
Ungefähr 1% der Notfälle auf Unfallstationen sind Folge
von Tier- oder Menschenbissen. Die meisten Opfer sind Kinder.
Die Tierbisse werden vor allem durch Haustiere verursacht, insbesondere
natürlich durch Hunde unterschiedlicher Rassen. Auch Menschenbisse
kommen vor. Bei Erwachsenen stehen Bisse von Menschen meist in Zusammenhang
mit Alkoholkonsum oder sind durch Faustschläge bei Schlägereien
bedingt.
Was ist zu bedenken?
Bisswunden sind unterschiedlich tief und
verschiedenartig gestaltet. Es können gezackte Risse (Lazerationen)
der Haut, tief in das Gewebe reichende Löcher oder großflächige
Abschürfung sein. Sie verursachen Blutungen, Hautrötung,
Schwellungen und Schmerzen unterschiedlichen Ausmaßes.
Bisse, die tiefe Wunden und Hautrisse verursachen, bergen eine Gefahr:
Sie können Eintrittspforten für verschiedene Infektionserreger
sein. Derartige Infektionen können durchaus gefährlich werden:
- Die Tollwut
ist zweifellos die wichtigste und gefährlichste Infektion
als Folge von Bissverletzungen. Sie tritt zumeist nach dem Biss
eines tollwutkranken
wilden Tieres auf, aber auch erkrankte Haustiere (vor allem durch
streunende Hunde oder Katzen) können Tollwuterreger
mit dem Speichel übertragen. Tiere, die häufig Tollwut
übertragen sind u.a. Hunde, Katzen, Füchse, Fledermäuse
und andere. Bei Tollwutverdacht
muss sofort mit einer Impfbehandlung begonnen werden. Bricht die
Erkrankung erst einmal aus, gibt es keine Hilfe mehr!
- Wundstarrkrampf
(Tetanus) kann sich nach jeder Bissverletzung entwickeln, vor
allem besteht die Gefahr bei tiefen und verschmutzten Wunden.
Wenn Sie in den letzten fünf Jahren eine Auffrischungsimpfung
gegen Tetanus
erhalten haben, sind Sie gegen die Erkrankung in der Regel geschützt.
Tetanus
ist eine oft tödliche endende, sehr schmerzhafte, von extremen
Muskelkrämpfen gekennzeichnete Erkrankung des Nerven-Muskelsystems.
Auslöser ist ein giftiges Stoffwechselprodukt der Tetanusbakterien.
- Infektionen mit Pasteurella-Bakterien werden oft von Katzenbissen
verursacht. Sie können schwere Entzündungen der Wundregion,
aber auch in anderen Körperorganen auslösen.
- Andere Tierbisse (z.B. von Giftschlangen)
oder Infektionsübertragung durch Nagetiere (z.B. Pest u.v.a.)
sind vergleichsweise selten und erfordern stets gezielte ärztliche
Behandlung.
Was ist zu beachten?
Das Infektionsrisiko ist besonders hoch bei
tiefen Wunden
mit relativ kleiner Oberfläche. In der Wundtiefe können
sich manche Bakterien (z.B. Tetanuserreger)
sehr gut entwickeln. Katzenbisse infizieren sich in 30 bis 50% der
Fälle, menschliche Bisse von Erwachsenen in 15 bis 20% der Fälle.
Hundebisse infizieren sich in 5% der Fälle.
Es gibt allerdings keinen einzigen Fall, bei dem das AIDS-Virus
durch Biss eines infizierten Patienten übertragen wurde.
Was können Sie tun?
- Suchen Sie sofort ärztliche Hilfe
(auch am fremden Urlaubsort!) auf, wenn der Biss groß ist
oder bedrohlich erscheint - besonders wenn er sich im Gesicht
oder an den Händen befindet.
- Spülen Sie die Wunde
vorsichtig mit sauberem Wasser und säubern Sie sie sofort,
ohne allerdings zu reiben oder an der Wunde
zu manipulieren.
Keine Reinigung mit schmutzigem Wasser oder Wasser aus stehenden
Gewässern (Infektionsgefahr wird noch erhöht!)
- Stillen Sie die Blutung nicht, es sei denn, sie ist sehr stark
oder das Blut schießt pulsierend aus der Wunde
(Folge einer Arterienverletzung). Der Blutfluss hat eine gewisse
reinigende Wirkung.
- Geben Sie niemals Salben auf offene Wunden!
Wann ist sofortiger Arztbesuch notwendig?
- Wenn die Blutung sehr stark ist und nicht zum Stehen kommt;
- Wenn ein Biss von einem Menschen so tief ist, dass die Haut
durchtrennt ist;
- Wenn der Biss von einem unbekannten, auffallend zahmen, in freier
Wildbahn lebenden Tier stammt, denn eine Tollwut-
und/oder Tetanus-Prophylaxe
kann erforderlich sein;
- Wenn ein Katzenbiss tief die Haut verletzt;
- Wenn ein Hund oder eine Katze ohne Grund zubiss, da man am Urlaubsort
in der Regel nicht weiß, ob das Tier gegen Tollwut
geimpft ist;
- Wenn die Bisswunde zwar harmlos erscheint, Sie aber in den letzten
fünf Jahren keine Auffrischungsimpfung gegen Tetanus
bekamen;
- Infektionszeichen auftreten (Rötung der Umgebung der Bisswunde,
starke und eventuell pochende Schmerzen
bzw. Druckschmerzhaftigkeit, Fieber
über 38,3°, zunehmende Rötung und Wärmegefühl
in der Wundregion; rötliche Streifen, die von der Wunde
wegführen, Juckreiz, Absonderungen aus der Wunde).
Hinweis:
Infektionssymptome treten innerhalb von 48
Stunden auf und müssen unbedingt dem Arzt vorgestellt werden.
Sie deuten auf mögliche Verunreinigung der Wunde
mit Bakterien oder anderen Erregern hin.
Beachten Sie:
Tierbisse sollten auch im Ausland den örtlichen
Gesundheitsbehörden (evtl.über den Reiseveranstalter)
oder notfalls eine Polizeidienststelle gemeldet werden, besonders
wenn der Biss von einem wilden Tier stammt, oder von einem Haustier,
bei dem der Impfschutz gegen Tollwut
nicht feststeht.
Tipps:
Der beste Schutz gegen Tierbisse im Urlaub
ist die Vorbeugung!
- Behandeln Sie alle fremden Haustiere mit Vorsicht.
- Nähern Sie sich keinem wilden Tier und versuchen Sie nicht,
es zu berühren, besonders wenn es krank oder besonders zutraulich
zu sein scheint.
- Befolgen Sie Warnhinweise (z.B. "Vorsicht bissiger Hund").
- Ermahnen Sie Ihre Kinder,
keine unbekannten Tiere zu füttern, zu berühren oder
zu necken. Die meisten Bisse bei Kindern
verursachen Haustiere, die provoziert worden sind.
- Lassen Sie nie einen Säugling,
ein Kleinkind
oder schutzlose Personen ohne Aufsicht mit Haustieren allein (besonders
mit großen Hunden).
- Wenn Sie Trekking-
oder Campingreisen planen, sollten Sie sich eventuell bei den
örtlichen Behörden erkundigen, ob im Reisegebiet Tollwuterkrankungen
auftreten.
Siehe auch
unter Schlangenbisse
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