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Carotinoide sind meist
gelb, orange oder rot gefärbte Verbindungen, die Pflanzen für
die Photosynthese benötigen, aber auch von einigen Bakterien,
Algen und Pilzen gebildet werden können. Als fettlösliche
Substanzen können sie sich in bestimmten tierischen Geweben
anreichern und verleihen beispielsweise so dem Lachsfleisch die
typisch orangerote Farbe.
Mittlerweile kennt man etwa 650 verschiedene Carotinoide, von denen
50 vom Menschen in Vitamin A umgewandelt werden können. Doch
für den menschlichen Organismus sind nicht nur die Vitaminwirkung,
sondern auch das beträchtlich antioxidierendes Potential und
weitere Funktionen von Bedeutung.
Carotinoide sind mehrfach ungesättigte Verbindungen und so
ist eine Vielzahl von optischen Isomeren denkbar. In der Regel liegen
sie in der all-trans-Konfiguration vor, Isomerisierungen sind aber
durch Stoffwechselprozesse oder weitere Verarbeitung, z.B. zu Lebensmittel,
möglich.
Für die Resorption ist die Anwesenheit von Fett und Gallensäuren
erforderlich. Allgemein gilt, dass sie aus gekochten Speisen besser
als aus rohem Gemüse für den Organismus verfügbar
sind.
Der Name Carotin leitet sich von der Karotte ab, da aus dieser Pflanze
im 19. Jahrhundert die erste Verbindung mit der typischen Struktur
isoliert wurde.
Einteilung:
Carotinoide sind chemisch gesehen Tetraterpene und
werden aus 8 C 5-Einheiten (Isopren) aufgebaut. Die reinen Kohlenwasserstoffverbindungen
werden als Carotine, mit Sauerstoff oxidierte Moleküle als
Xanthophylle bezeichnet.
Lycopin ist eine aliphatische Kohlenwasserstoffverbindung mit einer
Kettenlänge von 32 C-Atomen, 13 Doppelbindungen und 8 Methylgruppen.
Durch Cyclisierung an einem Kettenende entsteht gamma-Carotin, die
Cyclisierung an beiden Kettenenden führt je nach Lage der Doppelbindung
im cyclischen Rest zu alpha- und beta-Carotin. Durch Hydroxylierung
eines cyclischen Restes des beta-Carotins erhält man beta-Cryptoxanthin,
die Hydroxylierung beider Ringsysteme führt zu Zeaxanthin.
Lutein ist ein Abkömmling des alpha-Carotins, bei dem beide
cyclischen Reste eine Hydroxylgruppe tragen. Variationen u.a. in
der Kettenlänge führen zu weiteren Verbindungen, z.B.
dem Capsanthin, einem Carotinoid des Cayenne-Pfeffers.

Wirkungen:
Die bekannteste Wirkung der Carotinoide ist, dass
sie als Provitamin A im Menschen zu Vitamin A umgewandelt werden
können. Am ergiebigsten ist dabei beta-Carotin, das zwei Moleküle
all-trans-Retinol (Vitamin A1) liefert. 6 mg all-trans-beta-Carotin
entsprechen etwa 1 mg Retinol-Äquivalent (3000 I.E.). Überdosierungen,
wie sie bei hoher Zufuhr von Vitamin A bekannt sind, können
jedoch nicht auftreten, da die Umwandlung durch den Speichervorrat
des Körpers an Vitamin A gesteuert wird. Xanthophylle haben
bis auf beta-Cryptoxanthin wegen ihrer sauerstoffhaltigen Ringsysteme
keinen Provitamin A Charakter.
Carotinoide sind jedoch auch wertvolle Antioxidantien. Sie können
wie Flavonoide und die Vitamine C und E, reaktive Verbindungen (Radikale)
unschädlich machen und scheinen vorbeugend gegen viele Zivilisationskrankheiten
zu wirken. Besonders effektiv verläuft die Neutralisierung
beim Singulett-Sauerstoff, der vor allem durch UV-Strahlung entsteht,
indem die Energie des Radikals aufgenommen und als Wärme abgegeben
wird (Quensching). Da das Carotinoid in seiner Struktur dadurch
unverändert bleibt, kann es viele Male zum Einsatz kommen.
Der wirkungsvollste Sauerstoffquenscher scheint das Lycopin zu sein.
Als Sonnenschutz für die Haut werden Carotinoide schon länger
eingesetzt. Sie schützen die Zellen nicht nur vor den durch
die UV-Strahlung entstehenden Radikalen, sondern scheinen auch die
durch Sonnenlicht verminderten körpereigenen Abwehrkräfte
zu stärken.
Vermutet wird weiterhin, dass bestimmte Carotinoide die Zellkommunikation
untereinander durch Kanäle (gap junctions) fördern. Eine
gestörte Zellkommunikation wird u.a. auch für ein entartetes
Wachstum (Krebs) verantwortlich gemacht.
Möglicherweise kann durch eine carotinoidreiche Ernährung
einer altersbedingten Maculadegeneration vorgebeugt werden. Vor
allem Lycopin scheint sich günstig auf die Blutfettwerte auszuwirken.
Vorkommen:
Die wichtigsten Carotinoidquellen stellen Gemüse
und Obst dar, auch hier gilt, dass die höchsten Mengen in Schale
oder äußeren Blättern stecken. Karotte und Kürbis
sind die wichtigste Quelle für a-Carotin, Tomate, rosa Grapefruit
und Guave sind reich an Lycopin, Xanthophylle sind vor allem in
Gemüsen (Kohl, Spinat, Paprika) enthalten. Natürliche
Quellen für Carotinoide stellen auch die Alge Dunaliella salina
und Rotes Palmöl dar.
Folgende Tabelle zeigt einige Beispiele für das Vorkommen
von Carotinoiden in Pflanzen:
| ß- und y-Carotin, Lycopin,
Rubixanthin, Violaxanthin |
Ringelblumenkraut |
| ß-Carotin |
Eleutherococcuswurzel |
| ß-Carotin |
Efeublätter |
| ß-Carotin |
Holunderbeeren |
| ß-Carotin |
Löwenzahnblätter |
| ß-Carotin |
Eisenkraut |
| a-, ß-, y-Carotin, Lykopin,
Lutein |
Rotes Palmöl |
| Lutein |
Arnikablüten |
| Neoxanthin, Violaxanthin, Lutein
und ß-Carotin |
Schwarzer Tee |
| ß-Carotin, Lutein, Cryptoxanthin |
Kürbissamen |
| ß-Carotin, Lutein, Violaxanthin
und Neoxanthin |
Krause
Blattpetersilie |
| ß-, y-Carotin, Lycopin und
Xanthophylle |
Hagebuttenfruchtfleisch |
| Lutein, Flavoxanthin und Cryptoxanthin |
Goldrutenkraut |
| ß-Carotin, Zeaxanthin, Neoxanthin,
Fucoxanthinol |
Blasentang
(getrocknet) |
| ß-, y-Carotin, Cryptoxanthin,
Zeaxanthin |
Sanddornbeeren |
| ß-, y-Carotin, Cryptoxanthin,
Lutein, Neoxanthin, Phytofluen, Phytoin, Rubixanthin, Violaxanthin |
Feigen (Zusammensetzung variiert
je nach Sorte) |
Literatur:
Bernhard Watzl, Achim Bub:
Carotinide Ernährungs-Umschau 48(2001) Heft 2
Gunter Metz: Phytamine
- Pflanzliche Nahrung zur Prävention PZ-Schriftenreihe Nr.
13 (2001), Govi Verlag
Uwe Gröber: Orthomolekulare
Medizin, 2000,
Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
Georg Schiller, Karl Hiller:
Arzneidrogen, 4. Aufl. 1999,
Spektrum Akademischer Verlag
Hager ROM 2002, Springer
Verlag
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