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Dem Zappelphilipp kann heute effektiv geholfen werden

Schulkinder

Kinder- und Jugendärztetag in Karlsruhe beschäftigt sich mit einem Krankheitsbild, das auch Pädiatern noch oft Probleme bereitet

KARLSRUHE. Sie sind zappelig, unaufmerksam und kaum zu bändigen. Patienten mit dem

Zappelphilipp-Syndrom sind in Deutschland keine Seltenheit. 320 000 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren sind davon betroffen. Doch noch haben viele Kinderärzte Probleme bei der Diagnose und Therapie. Sie gestehen sie selbst. Kein Wunder, daß sich beim Kinder- und Jugendärztetag in Karlsruhe am Wochenende über 1000 niedergelassene Mediziner einfanden, um von erfahrenen Kollegen Rata einzuholen.
Von Marion Lisson

Das Leben von Kindern mit sogenannten Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störungen - abgekürzt auch ADHS genannt - ist häufig problembeladen. Meist werden sie von ihrer Umwelt ausschließlich als völlig ungezogen wahrgenommen. In der Schule gelten sie meist als Pausenclown oder Außenseiter. Ausgeprägt motorische Unruhe ("sei endlich ruhig"), die stark beeinträchtigte Konzentration ("pass' doch endlich auf, träum' nicht") und die mangelnde Fähigkeit, das eigene Verhalten zu planen und zu steuern ("rede nicht dauernd dazwischen, hör' endlich zu") kennzeichnen das Krankheitsbild.
Die Folge: Kinder und Jugendliche mit dieser Störung stehen oft in der Kritik ihrer Mitmenschen. Eine Tatsache, die sie noch unsicherer, noch ungeschickter macht. Wenig glücklich sind auch die Eltern dieser Kinder.
"Wir Kinder- und Jugendärzte sind gefordert", machte denn auch Dr. Klaus Gritz, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands, in Karlsruhe deutlich. Das Krankheitsbild Zappelphilipp sei entgegen früherer Auffassung durchaus in den Griff zu bekommen - nämlich mit einer kombinierten medikamentösen, psychologischen und pädagogischen Behandlung. Das frühzeitige Erkennen dieser Krankheit ist dabei, wie so häufig, von elementarer Bedeutung.
Doch hier liegt oft auch das Problem. Noch immer wissen viele Eltern nicht, daß das hyperaktive Verhalten ihres Kindes eine körperliche Ursache haben könnte und sie somit behandlungsfähig sind.
Hinzu kommt: Selbst wenn das Krankheitssymptom vom behandelnden Kinderarzt erkannt worden ist, sind viele Mediziner noch unsicher, wie genau nun mit diesen Patienten zu verfahren ist.
Verständlich: Denn die Forschungsergebnisse in diesem Bereich sind noch vergleichsweise frisch und werden ständig aktualisiert, so die Erklärung von Präsident Gritz in Karlsruhe. Der Kongreß solle daher der Aufklärung dienen - bei den Ärzten genauso wie in der Öffentlichkeit. "Fest steht: die Gabe von Psychostimulanzien ist unerläßlich", erklärte Dr. Klaus Skrodzki, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder und Jugendärzte. Die Forschung habe gezeigt, daß bei diesen Patienten eine Fehlfunktion im Hirnstoffwechsel mit einer Verminderung bestimmter Botenstoffe (Neurotransmitter) vorliege. Durch die Gabe von Stimulantien wie Methylphenidat könne dieses Defizit bei den Patienten ausgeglichen werden. "Das heißt nicht, daß es für diese Patienten eine Heilung gibt. Die genetischen Ursachen können wir schließlich damit nicht verändern", schränkte Skrodzki zugleich aber auch ein. Doch das Einnehmen der Stimulantien sei wie das Tragen einer Brille. Hier heile man schließlich auch nicht die Kurzsichtigkeit, könne aber mit Hilfe der Gläser trotzdem bestens sehen.
"Bislang erhalten aber erst 20 Prozent der Kranken diese Medikamente", so Dr. Jörg Schriever vom Kreiskrankenhaus Mechernich. Viele Kollegen seien immer noch zögerlich bei der Verordnung der Medikamente. Sie hätten bislang verständlicherweise die Scheu gehabt, an ihre kleinen Patienten Medikamente zu geben, die man nur mit Betäubungsmittelrezept verordnen könne. Doch Zurückhaltung sei angesichts der aktuellen Forschungsberichte nicht mehr aktuell.
Gritz läßt keinen Zweifel: "Nur unter Einbeziehung der medikamentösen Therapie kann verhindert werden, daß sich die späteren Jugendlichen ungebremst mit Drogen, Alkohol oder mit der
Flucht zu Gewalt betäuben wollen".

Quelle: Ärztezeitung.de

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