Prophylaxe / Leben mit Rheuma
Die Rehabilitation hat bei rheumatischen Erkrankungen einige Besonderheiten
aufzuweisen. In der Regel ist sie lebenslang begleitend und nur in wenigen
Fällen - wenn eine lang anhaltende Rückbildung eingetreten ist
- nicht mehr erforderlich. Auch in jenen Fällen, in denen die Krankheit
nicht mehr aktiv ist, kann Rehabilitation notwendig sein. Grundsätzlich
sind die Übergänge zwischen akuter Behandlung und Rehabilitation
bei rheumatischen Erkrankungen fließend.
• Psychologische
Betreuung
Psychische
Faktoren haben bei Rheuma einen großen Stellenwert auf
den Krankheitsverlauf. Chronischer Stress kann eine direkte Auswirkung auf
den Hormonspiegel und damit auf das Immunsystem haben. Eine psychologische
Hilfe - von Stresstraining , autogenem Training bis hin zu Verhaltenstherapie
- kann sich vorteilhaft auf den Krankheitsverlauf auswirken.
Viel Selbstdisziplin ist außerdem für die oft jahrelange Medikamenten-
und Physiotherapie vonnöten. Selbsthilfegruppen und Rheumazentren bieten
Hilfe, um besser mit Schmerz umgehen zu können und um Strategien zu
erlernen, mit denen man den Alltag besser meistert.
• Ernährung
Richtige
Ernährung kann im rheumatische Formenkreis den Verlauf der
Krankheit verbessern. Oft wird von Patienten berichtet, dass Fasten und vegetarisch
orientierte Ernährungsweisen den Verlauf der Rheumakrankheit positiv
beeinflusst. Häufig treten dabei überraschende Besserungen der
Beschwerden auf: Gelenkschwellungen nehmen ab, die Morgensteifigkeit geht
zurück, und in den Laboruntersuchungen werden weniger Rheumafaktoren
gefunden. In der Regel kehren nach einer Fastenkur die Entzündungen
aber wieder zurück.
Verschlimmerungen von rheumatischen Beschwerden können nach Genuss von
Fleisch- und Wurstwaren, Zucker- und Weißmehlprodukten, nach Alkohol,
nach tierischen Fetten/Milchprodukten, nach Kaffee, Tee, Nikotin auftreten.
Die wahrscheinlichste Begründung: Wer weniger oder vegetarischer isst,
nimmt auch weniger Arachidonsäure auf. Arachidonsäure ist eine
Fettsäure, die der Körper nicht selber herstellen kann, die er
aber für die Bildung von Gewebshormonen, den Prostaglandinen, braucht.
Bei üblicher fleischreicher Kost werden durchschnittlich 200 bis 400
mg Arachidonsäure aufgenommen. Wer sich hingegen eine vegetarisch orientierte
Kost zusammenstellt, nimmt nur ein Zehntel der Menge dieser Fettsäure
auf. Auch Fischölfettsäuren können entzündungshemmend
wirken. Allerdings erst in sehr hohen Dosen (30 -50 mg/kg Körpergewicht).
Antioxidantien wie das Vitamin E können ebenfalls diätetisch genutzt
werden.
Besserungen der rheumatischen Beschwerden werden oft geschildert bei hohem
Rohkostanteil, betont pflanzlicher Kost, maßvoller Ernährung bzw.
zeit weisem Fasten und Verwendung von Vollkornprodukten und naturbelassenen
Fetten.
•
Hilfen für den Alltag
Durch
eine Verformung der Gelenke können alltägliche Tätigkeiten,
wie das Halten einer Kaffetasse oder das Zuknöpfen von Hemden / Blusen
fast unmöglich werden. Hier kann mit orthopädischen und ergotherapeutischen
Hilfsmitteln eine Erleichterung erzielt werden.
• Orthesen
im Handbereich
Ziel dieser Hilfsmittel ist die Verhinderung von Gelenks-Deformationen, bzw.
deren Zunahme. Weil das Gelenke und sein stützender Bandapparat immer
stärker in Mitleidenschaft gezogen werden, biegen sich die Fingergelenke
typischerweise nach außen, hin in Richtung kleiner Finger. Finger-
und Handhalterungen können helfen.
Zur Anwendung kommen Handlagerungsschalen, Knopfloch- und Schwanenhalsschiene
oder Metacarpalspangen.
• Halsorthesen
Die so genannte Schanzsche Krawatte ist aus weichem Material und wird um
den Hals angelegt, wenn die Halswirbelsäule entzündet ist. Die
Wirbelgelenke sollen durch die Halsorthese entlastet werden. Getragen werden
kann sie während der Nacht oder bei langen Autofahrten.
• Schuheinlagen
Um das Längs- und Quergewölbe des rheumatischen Fußes zu
stützen, kommen Schuheinlagen meist schon vorbeugend zum Einsatz. Sie
haben aber keine korrigierenden Wirkungen. Typische Zurichtungen an Konfektionsschuhen
sind die Schmetterlings oder Ballenrolle. Sie entlasten die entzündeten
Mittelfußknochen. Pufferabsätze reduzieren die Stoßbelastung
auf die Fuß- und Sprunggelenke.
•
Orthopädische Schuhe
Orthopädische Schuhe werden nicht routinemäßig verordnet,
sondern nur dann, wenn ein zugerichteter Konfektionsschuh nichts mehr hilft.
Ein weiter Einschlupf, Klettverschluss, weiches Oberleder und Lederränder,
Pufferabsatz und individuell abgestimmte Absatzhöhen gehören meist
zur Standardausführung. Die vom Orthopädie-Schuhmacher angefertigten
Einzelstücke müssen vom verordnenden Arzt abgenommen werden.
Prognose
Obwohl auch gutartige Verläufe vorkommen, verläuft die rheumatoide
Arthritis meistens allmählich fortschreitend. Gelenkzerstörungen
sind fast immer nach einigen Jahren im Röntgenbild zu sehen. Mit den
heutigen Medikamenten kann man zwar bei der Mehrzahl der Patienten den Verlauf
bremsen und häufig die Entzündung und die Schmerzen über lange
Zeit gut kontrollieren, trotzdem besteht ein gewisses Risiko für eine
dauerhafte Invalidität. Patienten mit schweren Verläufen haben
außerdem eine verkürzte Lebenserwartung.
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