Rheuma wird
in erster Linie mit älteren Menschen in Verbindung gebracht.
Doch Rheuma kennt keine Altersgrenzen: Schon Säuglinge und Kleinkinder
können an Rheuma erkranken und über Jahre oder Jahrzehnte in
ihrer körperlichen sowie in ihrer psychischen Entwicklung behindert
werden. Die Diagnose stellt das Leben der betroffenen Kinder und ihrer Familien
(erst einmal) auf den Kopf. Besonders zu Beginn "beherrschen" die
Krankheit, Zweifel und Selbstvorwürfe den Familienalltag. Über
Nacht scheinen Träume und Pläne zu zerplatzen, Aufgaben und
Rollen müssen neu verteilt werden. Durch den schubweisen Verlauf, d.h. "gute" und "schlechte" Phasen
wechseln sich ab, ist es nicht immer einfach, mit Rheuma zu leben. Erst
im Laufe der Zeit wird sich ein selbstsicherer Umgang mit der Krankheit
sowohl bei den Kindern als auch bei den Angehörigen und im Umfeld
entwickeln. Die meisten Familien finden jedoch ihren Weg, die Krankheit
in den Alltag zu integrieren.
Über die Ursache von Rheuma bei Kindern weiß man trotz intensiver
Forschungen eigentlich wenig. Man vermutet eine ererbte Bereitschaft,
auf verschiedene Umweltfaktoren wie Bakterien, Viren, Impfungen oder
Verletzungen mit einer Gelenk- oder Organentzündung zu reagieren.
Dabei werden körpereigene Substanzen von Zellen des Immunsystems
angegriffen. Die körpereigene Abwehr richtet sich gegen körpereigenes
Gewebe, und es kommt in der Folge zu Entzündungen.
Manchmal beginnt
es ganz harmlos: Das Knie schwillt an, plötzliches
Fieber, schmerzende Gelenke - so kann sich Rheuma bei Kindern und Jugendlichen
bemerkbar machen. Weitere Anzeichen, die Eltern "aufhorchen" lassen
sollten, sind:
- Morgensteifigkeit
- Schonhinken
-
Schmerzen, über die auch nach dem Aufstehen noch geklagt wird
- Schwellungen
- Überwärmung einzelner Gelenke
- Kinder, die schon gelaufen sind und wieder getragen werden wollen
-
Augenentzündungen
- Darmerkrankungen
Gelenkbeschwerden von Kindern sollten immer ernst genommen und durch
spezialisierte Ärzte abgeklärt werden. Das Ausmaß des
Gelenkbefalls kann heute durch effektive diagnostische Verfahren wie
z.B. Ultraschall und Kernspintomographie früh erkannt werden. Laborbefunde
ergänzen oder bestätigen manchmal die klinischen Befunde;
allerdings gibt es keinen spezifischen Laborwert für kindliches
Rheuma. Insbesondere der bei rheumakranken Erwachsenen gefundene Rheumafaktor
tritt lediglich bei 5-10% der kindlichen Patienten in Erscheinung. Um
eine aussagekräftige Diagnose stellen zu können, müssen
daher bei Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung im Kindesalter alle
Befunde wie ein Puzzlespiel zusammengefügt werden.
Für
die Behandlung der
Entzündungen ist es wichtig frühzeitig
und effektiv zu therapieren. Die eingesetzten Medikamente sollen den
Entzündungs-prozess stoppen oder zumindest eindämmen, um die
Zerstörung der Gelenke aufzuhalten bzw. zu verlangsamen. Eine frühzeitige,
konsequente Therapie mit medikamentösen und physikalischen Maßnahmen
(tägliche Krankengymnastik, Ergotherapie, Kältebehandlung
der Gelenke, Bewegungsbad) kann zu einem vollständigen Rückgang
der Gelenkentzündungen und der Bewegungs-einschränkungen führen.
Die Therapie ist aber meist über einen langen Zeitraum erforderlich.
Daher sollten die Eltern intensiv in die Behandlung einbezogen werden. Entscheidend
für ein positives Langzeitergebnis ist die Behandlung
rheumakranker Kinder und Jugendlicher durch einen kinderrheumatologisch
erfahrenen Pädiater in einem kinderrheumatologischen Zentrum oder
einer spezialisierten Ambulanz sowie eine gute Zusammenarbeit mit dem
Kinder- oder Hausarzt und weiteren wohnortnahen Spezialisten (Augenarzt,
Orthopäde, Kieferorthopäde).
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