ANZEIGEN
 
 
linie_oben

Rheuma und Ernährung


Gesundes EssenDer Effekt bestimmter Ernährungsformen auf den Verlauf rheumatischer Erkrankungen wurde bisher vorwiegend für die chronische Polyarthritis untersucht. Um den Zusammenhang zwischen Rheuma und Ernährung zu erforschen, wurden dabei vor allem die folgenden Ernährungsformen untersucht:

  • Verzicht auf mögliche Allergene in der Nahrung
  • Fasten
  • Vegetarische Ernährung
  • Arachidonarme Ernährung und vermehrte Zufuhr ungesättigter Fettsäuren
  • Antioxidantien (Vitamin E, Selen)
  • Vitamin D, Calcium

NüsseZu den häufigsten Nahrungsmittel-Allergenen in Mitteleuropa gehören Kuhmilch, Hühnerei, Nüsse, Gewürze, Gemüse, Getreide, Fisch und Fleisch sowie Obst. Von praktischer Bedeutung sind dabei Kreuzreaktionen zwischen verschiedenen Obstsorten (z.B. Apfel, Pfirsich, Kirschen) und Baumpollen (z.B. Hasel, Birke, Erle). Das heißt, dass ein Mensch, der an einer Birkenpollenallergie (Heuschnupfen) leidet unter Umständen auf Kernobst mit einer Nahrungsmittelallergie reagiert.


Allergien gegen Nahrungsmittel äußern sich am häufigsten an der Haut (z.B. juckender Hautauschlag), am Magendarm-Trakt (z.B. Durchfall) und an den Atemwegen (z.B. Asthma). Sie können seltener aber auch zu Gelenkbeschwerden führen. Dabei läßt sich aber in der Regel ein zeitlicher Zusammenhang mit der Aufnahme des Nahrungsallergens nachweisen. Außerdem sind diese Gelenkbeschwerden anders als bei der "typischen" chronischen Polyarthritis.

Dennoch hat der bei Nahrungsmitteln beobachtete Zusammenhang in der Vergangenheit wiederholt die Frage aufkommen lassen, ob rheumatische Erkrankungen möglicherweise auch auf einer allergischen Reaktion gegen Nahrungsbestandteile beruhen (z.B. gegen Milcheiweiß oder Lebensmittel-Zusatzstoffe).

Die dazu durchgeführten Untersuchungen haben einen solchen Zusammenhang nicht mit Sicherheit nachweisen können. Es fanden sich allerdings Hinweise darauf, dass es eine Untergruppe von Patienten gibt, bei denen die Krankheitsaktivität möglicherweise durch Allergene aus der Umwelt beeinflusst wird. Eine generelle Empfehlung, z.B. auf Milcheiweiß in der Ernährung zu verzichten, kann man daraus aber nicht herleiten.

Für das Fasten kann als gesichert gelten, dass darunter die Krankheitsaktivität der chronischen Polyarthritis bei vielen Patienten nachlässt. Allerdings ist dieser Effekt nicht von Dauer. Damit stellt sich die Frage, ob dieser positive Effekt des Fastens vielleicht einfach darauf beruht, daß dem Körper die für die Aufrechterhaltung der Krankheitsaktivität nötige Energie entzogen wird. Bedacht werden sollte auch das mögliche Risiko einer Unterernährung oder Fehlernährung.

Vegetarischer EinkaufGünstige Effekte werden auch für vegetarische Ernährung (lacto-vegetarische und veganische Diät) beschrieben. Eine Heilung rheumatischer Erkrankungen ist aber auch dadurch nicht zu erreichen. Nachweisen ließ sich bisher nur eine graduelle Besserung rheumatischer Beschwerden. Letztlich wird deshalb die Entscheidung, ob man sich zu einer solchen Umstellung der Ernährung entschließt, mehr eine Frage persönlicher Einstellungen (Vertrauen auf medikamentöse oder nichtmedikamentöse Therapieverfahren) sein.

Ein möglicher Grund für die Effektivität vegetarischer Ernährung bei Rheuma-Erkrankungen ist ihr relativer Mangel an Arachidonsäure. Arachidonsäure ist der natürliche Vorläufer verschiedener Stoffe, die der Körper im Rahmen von Entzündungen freisetzt, die sogenannten Prostaglandine. Arachidonsäure findet sich vor allem in Nahrungsmitteln tierischer Herkunft. Man konnte zeigen, dass man durch Verzicht auf Arachidon-Säure-haltige Nahrungsmittel dem Körper gezielt diesen Baustoff für die Produktion der Prostaglandine entziehen und dadurch das Ausmaß entzündlicher (Gelenk-)Reaktionen mindern kann.

Auch durch die vermehrte Zufuhr ungesättigter Fette (entscheidend ist das Verhältnis omega3 zu omega6) lässt sich nachweislich die Produktion der Prostaglandine senken. Solche Fettsäuren sind z.B. in vielen Fischsorten vorhanden, sowie in hochwertigen Pflanzenfetten (z.B. Walnußöl).

WürstchenVon den dargestellten Möglichkeiten einer Ernährungstherapie der chronischen Polyarthritis ist die letztgenannte Möglichkeit einer Beeinflußung der Prostaglandinsynthese durch Verzicht auf Arachidonsäure-reiche Nahrungsmittel und vermehrte Zufuhr ungesättigter Fettsäuren sicher die attraktivste. Bei konsequenter und langfristiger Anwendung dieser Ernährung lassen sich Schmerzmittel, insbesondere die sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika, welche die Prostaglandinsynthese im Körper hemmen, in ihrer Dosierung einsparen. Eine solche Ernährung ersetzt allerdings nicht eine Basistherapie und ganz sicher keine regelmäßige Bewegungstherapie (Krankengymnastik).

Bei Gelenkentzündungen werden neben Prostaglandinen und anderen Entzündungsstoffen (Mediatoren) in großer Zahl auch sogenannte Sauerstoffradikale freigesetzt. Diese führen zu einer Zerstörung verschiedener Gelenkstrukturen (z.B. Knorpel). Diese Sauerstoffradikale werden im Körper normalerweise durch sogenannte Antioxidantien neutralisiert. Zu diesen Antioxidantien gehören Vitamin E und Vitamin C sowie Selen-Glutathion.

Aufgrund dieser Zusammenhänge wird empfohlen, für eine ausreichende Versorgung des Körpers mit den genannten Vitaminen sowie dem Spurenelement Selen zu sorgen. Dabei besteht bei einer ausgewogenen und gesunden Ernährung üblicherweise keine Notwendigkeit für einen künstlichen Ersatz von Vitamin C und Selen, während ein Vitamin-E nicht in allen Fällen ausreichend zur Verfügung gestellt wird. Aus diesem Grunde kann es manchmal sinnvoll sein, Vitamin E in Form von Tabletten zusätzlich zuzuführen. Auch hier handelt es sich um eine komplementäre Therapie, die die "übliche" Rheuma-Behandlung nicht ersetzt, sondern sinnvoll ergänzt.

MilchtüteVitamin D und Calcium sind weniger für die Behandlung rheumatischer Gelenkentzündungen an sich von Bedeutung. Eine ausreichende Zufuhr dieser Nahrungsbestandteile ist aber wichtig zur Vorbeugung einer Osteoporose, wie sie im Gefolge rheumatischer Gelenkerkrankungen häufiger auftreten kann, insbesondere dann, wenn eine Dauerbehandlung mit Cortison erforderlich ist. Empfohlen wird eine tägliche Zufuhr von Calcium in einer Menge von 1000 - 1500 mg. In 1/2 l Milch befinden sich ca. 500 mg Calcium. Vitamin D wird nicht nur mit der Nahrung aufgenommen, sondern bei Sonnenbestrahlung auch aus körpereigenen Vorstufen gebildet. Besteht ein erhöhtes Osteoporose-Risiko oder ein Mangel an Sonnenbestrahlung (z.B. bei pflegebedürftigen Menschen), dann ist eine zusätzliche Zufuhr von Vitamin D zur Nahrung sinnvoll.

Wichtige Regeln zum Thema Rheuma & Ernährung:

  • Wenig Fleisch, z.B. nur noch 2 mal pro Woche (dies enthält viel Arachidonsäure)
  • Viel Fisch, mindestens 2 mal pro Woche (hoher Anteil an Omega-3-Fettsäuren)
  • Vorzugsweise Gemüse, Sojagerichte, Obst und Milchprodukte (enthalten wenig Arachidonsäure und sorgen für ausreichende Zufuhr von Vitaminen, Calcium und Spurenelementen: Vitamin C, E, und Selen)
  • Verwendung hochwertiger Pflanzenöle wie Walnußöl, Weizenkeimöl, Rapsöl, Sojaöl (diese enthalten keine Arachidonsäure und haben eine hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und Vitamin E)
  • 1/2 l Milch pro Tag oder entsprechende Milchprodukte (ausreichende Calcium-Zufuhr)
  • Wenig Alkohol (Alkohol fördert die Bildung von Oxidantien)
  • Ausreichende Bewegung an frischer Luft (dadurch wird der Knochenanbau und die Bildung von Vitamin D im Körper gefördert)
  • Eventuell zusätzliche Gabe von Vitamin E (400 I.E. Alpha-Tocopherol täglich)
linie_unten
Weitere Themen

Definition

Die Ursache

Diagnose

Ernährung

Rheuma beim Kind

Therapie

Links zum Thema

Selbsthilfegruppen

Buchtipps