Therapie
Da die Ursache von Rheuma nicht sicher bekannt ist, lässt sich die Krankheit
auch nur in Ansätzen behandeln. Eine Heilung ist zur Zeit noch nicht möglich.
Hauptaufgabe der Therapie ist es, das Fortschreiten der Erkrankung hinauszuzögern.
Dazu gehören die Unterdrückung des fehlgesteuerten Immunsystems,
die Entzündungshemmung, Schmerzlinderung, Verbesserung der Beweglichkeit
und damit die Verbesserung der Lebensqualität.
Die
Therapie eines Patienten mit rheumatoider Arthritis erfordert große
Erfahrung sowie eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen internistischen
Rheumatologen, Orthopäden, Krankengymnasten und Ergotherapeuten.
Aktuell
stehen folgende Therapieformen zur Verfügung:
•
Medikamentöse Therapie
•
Injektionen von Cortisonpräparaten in die Gelenke
• Physikalische Therapie und Krankengymnastik
• Ergotherapie und Rehabilitation
• Operative Therapie (v.a. Synovektiomen und rekonstruktive Chirurgie)
•
Ergänzende medikamentös-alternative Therapie (Heilpflanzen)
Medikamentöse
Therapie
Die medikamentöse Therapie dient dazu den gelenkzerstörenden
Verlauf einer rheumatoiden Arthritis aufzuhalten. Das Ziel ist hierbei,
die Entzündung der Gelenke so weit wie möglich zu kontrollieren.
Einen unverzichtbaren Teil nehmen dabei die so genannten Basismedikamente
oder auch disease-modifying antirheumatic drugs (DMARD) ein, welche
den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen können. Jede aktive
rheumatoide Arthritis sollte mit mindestens einem oder mehreren Basismedikamenten
behandelt werden.
Eine besondere Stellung unter den Basismedikamenten nimmt Methotrexat
ein, das in der Regel eine hohe Wirksamkeit bei vertretbaren Nebenwirkungen
besitzt. Methotrexat kommt aus der Krebstherapie, wo es in höheren
Dosen Anwendung findet. Methotrexat kann sowohl in Tablettenform als
auch als Injektion intramuskulär, intravenös oder subkutan
(unter die Haut) gegeben werden.
Die Basismedikamente brauchen in der Regel zwischen 4 Wochen und 6
Monaten bis die erwünschte Wirkung eintritt. Bei ungenügendem
Ansprechen auf ein einzelnes Basismedikament sollten verschiedene Präparate
miteinander kombiniert werden.
Neben dieser Basismedikation gibt es einen erfolgsversprechenden Einsatz
von Hemmstoffen von TNF-alpha – dem Zytokin, welches vor allem
für entzündliche Prozesse bei der rheumatoiden Arthritis
verantwortlich ist.
Eine weitere vielversprechende Therapie ist der Einsatz des rekombinanten
(gentechnisch verändertem) Rezeptorantagonisten Anakinra. Ankarina
dockt an die Zielzelle (IL-1) an und wirkt wie der natürliche
IL-1Rezeptorantagonist. Somit wird das gestörte Gleichgewicht
zwischen IL-1 und dem Antagonisten Il-1RA wieder stabilisiert.
Ein weiterer Stützpfeiler der Therapie der rheumatoiden Arthritis
bilden so genannte Glukokortikoide, die sich vom Cortison ableiten.
Sie wirken relativ rasch gegen die Entzündungsreaktion im Körper
und bringen dem Patienten Linderung gegen seine Beschwerden. Bei längerandauernder
niedrig-dosierter Therapie zeigt sich auch eine Verlangsamung der Gelenkzerstörung.
Aufgrund von Nebenwirkungen wie z.B. Knochenentkaltung ist eine ausreichende
Einnahme von Vitamin D und Calcium indiziert.
Zu den nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) zählen z.B. Wirkstoffe
wie Diclofenac oder Indometacin - antientzündliche Schmerzmittel.
Allen Medikamenten liegt ein gemeinsames Wirkprinzip zu Grunde, die
in der Hemmung des Enzyms Cyclooxygenase (COX) besteht, welches zur
Prostaglandinproduktion notwendig ist.
Aufgrund der guten schmerzstillenden Wirkung werden sie häufig
bei der rheumatoiden Arthritis verordnet.
Häufig haben aber auch diese Medikamente Nebenwirkungen – vor
allem die Begünstigung der Entstehung von Magen- und Zwölffingerdarmsgeschwüren.
Dies kann insbesondere dann auftreten, wenn diese Medikamente zusammen
mit Glukokortikoiden eingenommen werden. Eine neue Klasse von NSAR
sind die Cyclooxygenase-2(COX-2)-selektiven NSAR. Sie hemmen nur die
Produktion der Prostaglandine, die bei Entzündungen entstehen,
nicht aber der Prostaglandine, welche z.B. zum Schutz der Magenschleimhaut
nötig sind.
Ergänzende
Medikamente / alternative Medizin
Neben der Schulmedizin haben verschiedene Heilpflanzen eine schmerzlindernde
und entzündungshemmende Eigenschaft in Studien bewiesen. Allen ist
gemein, dass sie Basismedikamente auf keinen Fall ersetzen können.
Sie können jedoch Kortison, NSAID oder Schmerzmittel einsparen helfen.
Da sie gut verträglich sind, sind sie sicherlich eine Versuch wert.
Die besten Wirkungen scheinen
Extrakte der Teufelskrallenwurzel (Harpagophyti radix) und der Weidenrinde
(Salicis cortex) zu haben. Sie werden von der
europäischen Fachgesellschaft für Phytotherapie (ESCOP) empfohlen.
Brennnesselkraut (Urtica dioica herba) wird traditionell seit Jahrhunderten
in der alternativen Medizin gegen Rheuma eingesetzt und hat eine eher leichte
Wirkung.
Neuesten Studien sind auch auf
dem Gebiet des Weihrauchharzes (Boswellia serrata resina) gemacht worden.
Der aktuelle Stand besagt, dass geringe Mengen
die Krankheit verschlimmern können, höhere Dosen jedoch verbessern.
In verschiedenen Studien zeichnet sich zur Zeit die Gabe von 3 x 400mg Boswelliasäuren
ab. Entsprechende Produkte sind nur im Ausland im Handel (Indien), können
aber von jeder Apotheke auf Rezept importiert werden.
Knorpelschutzmittel (Chondroprotektiva)
sollen die Zerstörung des Knorpels
aufhalten und bereits zerstörte Knorpel wiederaufbauen. Solche Wirkungen
sind bis heute nicht belegt.
Auch der Konsum von Kombucha-Tee
ist wissenschaftlich noch nicht belegt. Wer das Getränk selbst herstellt, riskiert, dass sich in dem Gebräu
auch Krankheitserreger ansiedeln. Für Rheumapatienten mit einem aus
den Fugen geratenen Immunsystem ist es deshalb nicht einmal als Erfrischungsgetränk
geeignet.
Vorsicht ist geboten vor Wundermitteln,
die das Rheuma angeblich ohne Nebenwirkung heilen sollen. Sie werden im
Internet oder in Zeitschriften als Nahrungsergänzungsmittel
angeboten. Doch Wunderheilungen gibt es bei Rheuma nicht. Diese Werbung ist
verbrauchertäuschend und illegal. Diese Firmen sind meistens Briefkastenfirmen
im Ausland und daher für deutsches Gesetz nicht erreichbar.
Behandlung mit Physiotherapie
In der Physiotherapie gibt es sehr unterschiedliche Anwendungsformen. Die
Auswahl stimmt der Arzt individuell auf die persönlichen Vorraussetzungen
des Patienten ab. So werden akute Beschwerden anders behandelt als chronische.
Ziel der Physiotherapie ist es die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern,
die Muskeln zu kräftigen/entspannen und Fehlstellungen vorzubeugen um
einhergehende Schmerzen zu lindern.
• Mechanotherapie
Krankengymnastik: Bewegungsübungen wirken schmerzlindernd, kräftigen
und entspannen die Muskulatur und verbessern die Funktion der Bewegungsorgane.
Besonders die Funktion der Fingergelenke und die Kraft der Hände lässt
oft früh nach. Spezielle Bewegungsübungen in der so genannten Sandkiste
oder feinmotorische Handarbeiten können die Beweglichkeit aber lange
Zeit erhalten.
Sporttherapie: Die Sporttherapie
unterstützt die krankengymnastischen Übungsziele.
Empfehlenswert sind Schwimmen, Wandern, Radfahren, Langlauf, Laufen und Tanzen.
Meiden Sie Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko, extreme Dauerleistungen
und einseitige Belastungen.
Manuelle Therapie: Gezielte Handgriffe
lockern akute Gelenkblockaden und stellen die Beweglichkeit teilweise wieder
her. Doch Vorsicht: Solche Griffe
dürfen nur von entsprechend weitergebildeten Ärzten oder Physiotherapeuten
durchgeführt werden.
Massage: Die klassische Massage wirkt gegen Verspannungen der Muskeln.
• Thermotherapie
Wärmetherapie: Bei der Wärmetherapie wird der Stoffwechsel angeregt.
Sie fördert die Durchblutung, entspannt die Muskeln und beeinflusst
die Organfunktion. Vor allem chronische Entzündungen werden so gelindert.
Die Wärme wird z.B. durch Bäder, Fangopackungen, Heißluft,
Rotlicht, Ultraschall oder elektrisch übertragen. Bei akuten Rheumaschüben
soll Wärme nicht eingesetzt werden, da sie das Entzündungsgeschehen
weiter anheizen kann.
Kältetherapie: Die Kältetherapie besteht aus Bädern, Eispackungen,
Kältekammern oder wird auch elektrisch übertragen. Die direkte
Einwirkung von Kälte bewirkt auf der Oberfläche der Haut kurzfristig
eine Blockade der Schmerzbahnen, in der Tiefe hemmt Kälte Entzündungen
und wirkt abschwellend. Die Physiotherapie unterscheidet zwischen der lokalen
Anwendung von Kälte und der Ganzkörper-Kryotherapie (Kältekammer
mit Temperaturen bis ca. 130 Grad minus). Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems
verbieten die Ganzkörper-Anwendung von Kälte.
• Elektrotherapie
Gleichströme und Wechselströme haben in verschiedenen Frequenzen
sehr unterschiedliche Wirkungen. Eine Niederfrequenztherapie hat schmerzlindernde
und durchblutungsfördernde Eigenschaften, die Mittelfrequenztherapie
stärkt die Muskeln und die Hochfrequenztherapie ist eine Wärmetherapie
mit Tiefenwirkung. Patienten mit Herzschrittmachern und mit Metall-Implantaten
(z.B. Gelenkersatz) dürfen Strombehandlungen gar nicht oder nur mit
Einschränkungen anwenden.
• Badetherapie (Balneotherapie)
Die Badetherapie nutzt eine Kombination
verschiedener Physiotherapien. Kalte oder warme Bäder in verschiedenen Flüssigkeiten (z.B. Solebad,
Schwefelbad) lassen sich mit mechanischen Wirkungen (Auftrieb) oder elektrischen
Strömen (Stangerbad) kombinieren. Eine Badetherapie wird meistens im
Rahmen einer komplexen Kurorttherapie durchgeführt, die Krankengymnastik,
Diäten, Gesundheitsbildung und - falls erforderlich - auch Psychotherapie
einschließt.
• Ergotherapie und Rehabilitation
Schwere Krankheitsverläufe erfordern eine Anpassung der Lebensverhältnisse.
Bei Ergotherapie und Rehabilitation werden die Aktivitäten des alltäglichen
Lebens trainiert (Haushalt, Beruf und Freizeit), um die Selbständigkeit
zu erhalten (Ergotherapie) oder wiederherzustellen (Rehabilitation).
Operation und Strahlentherapie
Ergänzend zur medikamentösen- und Physiotherapie können ärztliche
Eingriffe an den Gelenken Beschwerden lindern und deren Funktion wieder verbessern.
Flüssigkeit, die sich im Gelenk sammelt (Gelenkerguss), kann der Arzt
mit einer Gelenkpunktion entfernen. Die dadurch erreichte Druckentlastung
wirkt kurzfristig, langfristig kann durch die Minderung der krankhaft veränderten,
den Knorpel angreifenden Flüssigkeit auch die Schädigung des Gelenks
gebremst werden.
Neu ist eine spezielle Strahlentherapie
des Gelenk-Binnenraums, die Radiosynoviorthese. Es handelt sich hierbei
um einen kleinen ambulanten Eingriff, der nur von
speziell geschulten Nuklearmedizinern durchgeführt werden darf. In die
Gelenkhöhle wird eine radioaktive Flüssigkeit gespritzt, welche
die entzündeten Zellen abtötet. Da die Strahlen nur wenige Millimeter
Reichweite haben, ist die Belastung sehr gering. Erste Erfahrungen zeigen,
dass viele Patienten darauf ansprechen. Da man noch zu wenig über die
Langzeitauswirkungen weiß, dürfen Ärzte die Strahlentherapie
erst nach sechs Monaten Basistherapie einsetzen, wenn einzelne Gelenkentzündungen
nicht in den Griff zu bekommen sind und eine Operation nicht möglich
ist.
Wenn sich trotz der Behandlungen
die Gelenke verformen und ihre Funktion einstellen, kann eine Operation
helfen. Sie entlastet die Gelenke und verringert
auch Schmerzen. Trotzdem können nur selten alle Rheumaschmerzen beseitigt
werden. Der Fachmann für Operationen am Bewegungsapparat ist ein Orthopäde,
der sich auf das Teilgebiet der Rheumatologie spezialisiert hat.
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