| Neurodermitis
beim Baby, Kind oder Säugling
Neurodermitis, atopisches Ekzem, endogenes
Ekzem und atopische Dermatitis – dies
sind alles Synonyme für ein und dieselbe Krankheit: eine chronisch, entzündlich,
bedingte Hauterkrankung mit starkem Juckreiz. Gerade dem kleinen Patienten
macht diese Krankheit das Leben ziemlich schwer. Die Symptome treten in
Schüben
auf. Dazwischen gibt es Zeiten, die beschwerdefrei sein können.
Die Neurodermitis tritt beim
Baby bzw. Säugling meist erst nach
dem dritten Lebensmonat in Erscheinung. Die Symptome zeigen sich in
diesem Alter vor allem im Gesicht, besonders auf den Wangen, und am
behaarten Kopf. Es entwickelt sich ein typisches Krankheitsbild mit
unscharf begrenzten Hautrötungen, die stark jucken. Deshalb sind
sie oft von Kratzspuren durchsetzt. Die Rötungen können zudem
von feinen Hautschuppen bedeckt sein.
Ursachen
Die Ursachen sind immer noch nicht klar. In vier von fünf Fällen
beruht die atopische Dermatitis auf einer familiären Veranlagung
zu Allergien. Auch spielen frühe Kontakte mit Allergieauslösenden
Stoffen eine Rolle. Zum Beispiel der Kontakt mit Tierhaaren, Hausstaubmilben,
oder mit einzelnen Nahrungsmitteln wie Eiern und Milcheiweiß.
Stress und Zigarettenrauch können ebenfalls zu allergischen
Reaktionen führen.
Andererseits scheint aber
Muttermilch das Erkrankungsrisiko zu senken. Besonders in erblich
vorbelasteten Familien. Dann sollte ein Kind
mindestens sechs Monate voll gestillt, und kein Fremdeiweiß zugefüttert
werden.
Symptome
Bei der Neurodermitis fällt insgesamt eine sehr trockene Haut
auf. Dies ist u. a. dadurch bedingt, dass die Talgdrüsen in
den betroffenen Bereichen nur eingeschränkt arbeiten. Bei gesunder
Haut geben die Talgdrüsen ständig geringe Mengen an Talg
ab, welcher die Haut geschmeidig hält. Außerdem enthält
der Talg Substanzen, die das Wachstum von Keimen unterbinden. Bei
der Haut eines an Neurodermitis erkrankten Säuglings fehlen
in den betroffenen Hautregionen diese schützenden Eigenschaften
des Talgs bzw. sind sie nur eingeschränkt vorhanden. Deshalb
die sehr trockene Haut.
Durch entzündliche Veränderungen der Haut können
zusätzliche Infektionen bei Neurodermitikern auftreten. Die
Haut wird in ihrer Abwehr- und Schutzfunktion beeinträchtigt
mit der Folge, dass sich Bakterien und Pilze ausbreiten können.
Diese Infektionen zeigen sich in der Regel in einer z. B. gelblichen
Farbveränderung des betroffenen Hautbereichs. Die Haut ist dort
auch überwärmt und Juckreiz und Rötung können
sich verstärken.
Bereits im Säuglingsalter kann bei einer Neurodermitis nicht
nur der Bereich des Gesichtes und Kopfes, sondern auch der ganze
Körper betroffen sein.
Weitet sich die Erkrankung
aus, so sind zunächst die Streckseiten
von Armen und Beinen betroffen, das sind die Rückseiten der
Ellenbogengelenke und die Region um die Kniescheiben. Aber auch der
Rumpf kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Meist bleibt hier jedoch
der Bereich der Windel ausgespart. Der Grund dafür ist, dass
sich unter der Windel durch den Luftabschluss Feuchtigkeit ansammelt.
Das trägt dazu bei, die Haut feucht zu halten. Wegen des höheren
Feuchtigkeitsgehalts der Haut im Windelbereich wird diese dann nicht
so leicht von der Erkrankung betroffen.
Jede Neurodermitis verläuft individuell und kann vielfältige
Erscheinungsformen annehmen. Die unterschiedlichen Symptome sind
im Wesentlichen auf die entzündlichen Veränderungen der
Haut zurückzuführen. So können sich beispielsweise
auch Knötchen, Bläschen und Abschürfungen bilden.
Sie können im Verlauf der Erkrankung zu der sogenannten Lichenifikation
führen. Hierbei handelt es sich um eine Verdickung der Haut,
einhergehend mit einer vergröberten Hautstruktur. Häufig
zu beobachten ist dies an unpigmentierten Hautregionen im Gesicht.
Es bilden sich weiße Stellen, die oft auch spröde, trocken
und schuppend sind und starken Juckreiz auslösen.
Eine weiteres Krankheitsbild
im Babyalter ist der sogenannte Milchschorf. Hierbei bilden sich
kleine, oder auch flächenhaft ausgedehnte
rötliche Bläschen, die mit Flüssigkeit gefüllt
sind und aufbrechen bzw. nässen können. Beim Austrocknen
dieser nässenden Regionen bilden sich weißliche Krusten,
die in ihrem Aussehen an verbrannte Milch erinnern. Daher der gebräuchliche
Begriff „Milchschorf“.
Im Rahmen der Neurodermitis
Erkrankung kommt es häufig zu einer
Schwellung der Lymphknoten. Dies ist darauf zurückzuführen,
dass durch die entzündlich geschädigte Haut Allergene leichter
in den Körper eindringen können. Die Krankheitserreger
werden in das Lymphgefäßsystem aufgenommen und in die
Lymphknoten weitertransportiert. Eine heftige Immunreaktion ist die
Folge, die die Lymphknoten vor allem im Kopf- und Halsbereich kurzzeitig
vergrößern lässt.
Das sogenannte Lutsch-
und Saugekzem ist eine weitere Erscheinungsform der Neurodermitis
im Säuglingsalter. Hierunter versteht man
eine entzündlich, allergische Hautveränderung im Bereich
des Mundes. Durch den Speichelfluss beim Saugen wird diese verstärkt.
Es bilden sich Rötungen, Knötchen sowie gelegentlich nässende
Hautveränderungen und Krusten.
Für Säuglinge und Kleinkinder ist ein quälender Juckreiz,
der von den betroffenen Hautregionen ausgeht sehr belastend. Das
Auftragen kühlender und beruhigender Lotionen und Cremes lindert
den Juckreiz. Wichtig ist es auch die Kinder davon abzuhalten die
Haut aufzukratzen, beispielsweise durch Anziehen weicher Fausthandschuhe.
Von spezieller Bedeutung ist dies, da aufgekratzte Hautstellen eine
potentielle Eintrittspforte für Allergene und Krankheitserreger
bedeuten.
Diagnose
Die individuellen Beschwerden des Kindes sind entscheidende Hinweise
für die Diagnose des Arztes. Wichtig sind das Aussehen des
Ausschlags, Rötungen, Schuppenbildungen und Hautverdickungen
in Verbindung mit starkem Juckreiz.
Zusätzlich können Laboruntersuchungen (Bluttests) notwendig
werden, da andere Ekzeme häufig ähnlich aussehen.
Ein Allergietest zeigt, ob Ihr Kind auf bestimmte Stoffe allergisch
reagiert.
Therapie
Die Behandlung der Neurodermitis ist langwierig und es gibt oft Rückfälle.
Topische Behandlung
Bei überwiegend trockenen Ekzemen werden als Grundpflege häufig
Harnstoffsalben angewandt, da diese die Feuchtigkeit in der trockenen,
entzündlich gereizten Haut hält. Ebenfalls bewährt
haben sich Teersalben, die oft in Kombination mit Kortikoiden eingesetzt
werden. Eine Kortisonbehandlung sollte bei Kindern jedoch nur in
einem akuten Schub kurzfristig zum Einsatz kommen. Ölbäder
oder Fettsalben sind ebenfalls geeignet, um eine Rückfettung
der ausgetrockneten Hautpartien zu gewährleisten.
Systemische Behandlung
Die Einnahme von Nachtkerzenöl hat schon vielen Kindern geholfen.
Gerade bei einer Langzeittherapie mit diesem Medikament bleibt die
Haut erstaunlich stabil. Nachtkerzenöl gibt es in Form von Kapseln
oder Öl. Haben Kinder Schwierigkeiten mit der Einnahme von Kapseln,
kann das Nachtkerzenöl mit etwas Wasser oder Saft verabreicht
werden.
Diätetische Maßnahmen
Die Art der Ernährung scheint eine wichtige Rolle zu spielen,
hat aber noch zu keinem statistisch gesichertem Heilungserfolg geführt.
Diätetische Maßnahmen, wie z.B. der Verzicht auf süße
Nahrungsmittel oder Fremdeiweiß, bringen dem Baby und Kind
jedoch häufig Linderung der Beschwerden.
Klimatherapie
Ein Reizklima in der Sonne, an Meeresküsten und in Hochlagen
können unterschiedliche Wirkungen erzielen. Bei einigen Kindern
wirken bestimmte klimatische Bedingungen heilend, bei anderen eher
symptomverschlechternd.
Prognose
Bei vielen betroffenen Säuglingen heilt die Erkrankung von allein
wieder ab. Häufig jedoch erst in der Pubertät. So ergaben
wissenschaftliche Studien, dass 75 Prozent der Kinder, die im Säuglingsalter
an einer Neurodermitis litten, im Alter von 16 Jahren beschwerdefrei
sind. Zusätzlich wird bei den meisten Babys die Erkrankungsschwere
als „leicht“ diagnostiziert. Dies ist der Fall wenn die
Erkrankung erst nach dem 6. Lebensmonat auftritt, die entzündlichen
Hautveränderungen auf wenige Regionen begrenzt und nur leicht
ausgeprägt sind und der Juckreiz nur gering ist.
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