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Redaktion-Neurodermitis  
 
 

Hilfe bei trockener und irritierter Haut

Abstract von Univ.- Prof. Dr. med. Martina Kerscher,
Studiengang Kosmetik und Körperpflege der Universität Hamburg


Frau mit trockener HautDie Haut als äußere Begrenzung zur Umwelt ist mit 1.5 - 2 qm Fläche das größte Organ des Menschen und erfüllt zahlreiche Aufgaben wie etwa Vermittlung der Sinnesempfindungen. Zudem bildet sie eine effektive physikalische, chemische und biologische Barriere, die sowohl vor mechanischen Einflüssen schützt wie auch durch diverse Lipide und Enzyme einen Schutz vor chemischen Schädigungen, Hitze, Kälte und pathologischen Keimen bietet. Trockene wie auch irritierte Haut sind zunehmend auftretende Symptome, die die Lebensqualität der betroffenen Menschen ganz erheblich beeinträchtigen können und deren Ursachen sehr vielfältig sind. So besteht bereits im Kindesalter eine hohe Prävalenz von bis zu 20 % für das Auftreten einer atopischen Dermatitis, verbunden mit deutlich erhöhten TEWL Werten als Zeichen einer verminderten Barrierefunktion der Haut. Im Erwachsenenalter kommen neben Umwelteinflüssen, genetischer Veranlagung sowie internistischen Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder Lebererkrankungen einer atopischen Diathese (Neigung zu allergischen Erkrankungen wie etwa Neurodermitis oder Heuschnupfen) und dem physiologischen Alterungsprozess der Haut eine große Bedeutung für die Entstehung des Symptoms "trockene Haut" zu. Trockene Haut ist charakterisiert durch eine verminderte Talgbildung (Sebostase) und durch eine verminderte Bildung Barriere-aktiver epidermale Lipide. In der Folge entsteht eine defekte Barriere der Hornschicht verbunden mit erhöhtem transepidermalen Wasserverlust, vermindertem Wasserbindungsvermögen und höherer Irritabilität der Haut. So stufen in einer britischen Studie mehr als die Hälfte aller befragten Frauen und nahezu 40 % aller Männer ihre Haut als leicht irritierbar ein; 10 % der Frauen und etwa 6 % der Männer beurteilen ihre Haut sogar als sehr empfindlich; in USA gaben sogar 52 % aller Befragten in einer Studie an, an irritierter Haut zu leiden.

Klinisch ist das Bild durch eine trockene, raue, schuppige und glanzlose Haut geprägt; zudem zeigen sich bei irritierter Haut wiederholt Gesichtsrötungen (Erytheme), Juckreiz und Brennen. Die typischen Empfindungen, die Patienten mit trockener, irritierter Haut beschreiben, sind demnach Spannungsgefühl, Juckreiz, Brennen, Stechen oder auch Schuppung der Haut bis hin zu Schmerzen nach dem Auftragen bestimmter Externa. Objektiviert werden können diese Symptome durch nicht invasive biophysikalische Messungen, etwa der Bestimmung des transepidermalen Wasserverlustes, des pH Wertes oder der Durchfeuchtung der oberen Hornschicht.

Die Auswahl dermatokosmetischer Maßnahmen bei Menschen mit trockener, irritierter Haut richtet sich stets nach dem individuellen Hautzustand und den individuellen Problemstellungen. Auf den Einsatz von Duft- und Konservierungsstoffen sollte bei trockener, irritierter Haut möglichst verzichtet werden. In den letzten Jahrzehnten wurden zur Behandlung trockener, irritierter Haut überwiegend Wasser in Öl Emulsionen eingesetzt, die der Haut Feuchtigkeit und Fett zuführen sollten und die Hornschichtbarriere stabilisieren sollten. Um die beiden Phasen dieser Emulsionen (Wasser und Öl) miteinander zu vermischen, werden üblicherweise Emulgatoren zugegeben, die aber immer wieder zu Irritationen und Unverträglichkeitsreaktionen führen, was in einer verschlechterten Schutzfunktion der Hornschichtbarriere, einer erhöhten Permeabilität und einer gesteigerten Irritabilität der Haut resultieren kann. Wichtig sind daher eine auf den individuellen Hauttyp abgestimmte, innovative Galenik, die eine ausreichende Hydratation der Epidermis sicherstellt und auf den Einsatz von chemischen Emulgatoren verzichten kann, sowie die Applikation geeigneter Wirkstoffe mit antientzündlichen, barriere-stabilisierenden und antiirritativen Eigenschaften. So kann in nanodispersen Systemen, bei denen vor allem Phospolipide als natürliche "Emulgatoren" verwendet werden, vollständig auf chemische Emulgatoren verzichtet werden. Innovativ sind lamellare Cremegrundlagen (Derma-Membranstruktur-Cremes), die die Strukturen der Lipiddoppelmembranen der Hornschicht imitieren und sich so durch eine hohe Verträglichkeit auszeichnen. Als zusätzliche Wirkstoffe können neben natürlichen Feuchthaltefaktoren auch körpereigene Antioxidantien, etwa essentielle N-Acylethanolamine (ENA) eingesetzt werden, die freie Sauerstoffradikale abfangen und dadurch Hautreizungen lindern können. Zudem stabilisieren sie die hochempfindliche Zellmembran und hemmen die Aktivität der Mastzellen, so dass es zu einer verminderten Histaminausschüttung und damit zu einer entzündungshemmenden, schmerz-stillenden Wirkung kommt.

Je nach Ausprägung und Stadium können somit geeignete dermatokosmetische Wirkstoffe und Produkte die Lebensqualität von Patienten mit trockener, irritierter Haut deutlich verbessern.

Quelle: Stiefel GmbH