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Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS)

Die ADHS-Therapie

Ohne Therapie geht es nicht. Die Erkrankung ist in keinem Fall harmlos und sie verschwindet auch nicht einfach so. Das zeigen Untersuchungen über die Entwicklung von Patienten mit und ohne Behandlung. Risiken, die bis in das Erwachsenenalter reichen und erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben sind u.a.:

  • chronische Konflikte
  • schulische Probleme
  • erhöhte Gefahr zur Kriminalität, besonders Kleinkriminalität
  • erhöhte Suchtgefährdung
  • Verursachung von Verkehrsunfällen

Die Behandlung besteht bei einer hyperkinetischen Störungen immer aus mehreren Faktoren. Grundpfeiler sind:

  • Beratung des Kindes
  • Beratung und Unterstützung der Bezugspersonen in der Familie und außerhalb
  • Psychotherapie und spezielle Pädagogik
  • Pharmakotherapie

Medikamentöse ADHS-Therapie

Da es sich beim ADHS mit großer Wahrscheinlichkeit um eine eigentliche Stoffwechselstörung im Bereich des Neurotransmittersystems des zentralen Nervensystems handelt, sind sich heute eigentlich die meisten Fachleute darüber einig, dass in ausgeprägten Fällen in erster Linie eine medikamentöse Behandlung erforderlich ist. Obwohl noch viele Unklarheiten bestehen (und es in absehbarer Zukunft auch so bleiben wird, da es ungewiss ist, dass wir je das überaus komplexe und faszinierende Organ Gehirn mit seinen mehr als hundert Milliarden vernetzten Zellen verstehen werden) ist die medikamentöse Behandlung mit sogenannten Stimulantien seit 1937 (!) bekannt und richtig verabreicht in vielen Fällen auch überaus erfolgreich.

Die Stimulantien (v. a. Ritalin und d-Amphetamin) wirken im Bereich der Synapsen und verlängern dort die Wirkdauer der körpereigenen Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und evtl. auch Serotonin. Die Funktion der nicht optimal wirkenden Neurotransmitter wird also normalisiert.

Im Rahmen einer ADHS-Therapie muß die Medikamentenmenge individuell herausgefunden werden, da deren Wirkdauer von Patient zu Patient sehr unterschiedlich ist. In einer mehrwöchigen Einstellphase der Behandlung sind bei Kindern Rückmeldungen bzgl. Wirkung durch die Lehrer und die Eltern überaus wichtig.

Ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene spüren und beschreiben die Wirkung selbst: „Endlich ist der Filter weg"; „ich sehe klar"; „die innere Unruhe ist weg"; „jetzt weiß ich endlich, was Freude im Leben bedeutet".

Auch bei Kindern ist die positive Wirkung einer ADHS-Therapie häufig dramatisch: das Schriftbild normalisiert sich von einem Tag zum anderen, statt zu kritzeln beginnt das Kindergartenkind erstmals zu zeichnen, das Diktat kann nun gelernt und korrekt wiedergegeben werden, der Notendurchschnitt steigt rasch an, das Kind wird von anderen Kindern wieder akzeptiert und rasch sozial integriert. Das Kind hat endlich Erfolgserlebnisse und „gleich lange Spieße" wie seine Kameraden. Es ist wichtig, dass bei erfolgreicher Behandlung diese möglichst während der ganzen Wachheitsphase durchgeführt wird. Dies führt dazu, dass z.T. 3 oder 4 Dosen pro Tag gegeben werden müssen, in einzelnen Fällen hat sich eine länger wirkende Retardform aus den USA sehr bewährt.

Da durch die medikamentöse Therapie die Wahrnehmungsfunktionen im weitesten Sinne normalisiert werden (das Gehirn bekommt eine „innere Brille"!), hat der ADHS-Patient nun wie alle anderen auch die Voraussetzung, Verhaltensstrategien, soziale und andere Lernprozesse zu erlernen. Auch für ihn lohnt es sich, sich nun anzustrengen, die bisherigen Misserfolge bleiben nach und nach aus und die aufgebauten Vermeidungsstrategien verschwinden mit der Zeit. Vor allem dann, wenn relativ spät behandelt wird, können sich eingefahrene Verhaltensmuster in der Schule, Familie oder am Arbeitsplatz noch lange störend auswirken und müssen genau analysiert und vorwiegend verhaltestherapeutisch behandelt werden.

Während früher Medikationspausen am Wochenende und in den Ferien empfohlen wurden, ist nach heutigen Erkenntnissen eine kontinuierliche Behandlung vorzuziehen. Es erfolgt dadurch ja wahrscheinlich eine normale „Vernetzung". Zudem sind die sozialen Lernprozesse ja nicht nur auf die Schule oder den Arbeitsplatz beschränkt!
Nebenwirkungen der Stimulantientherapie bestehen v. a. in nicht bedrohlichen Appetitstörungen und im Einzelfall recht lästigen Einschlafstörungen. Spätschädigungen oder Abhängigkeiten sind auf Grund der langjährigen Erfahrung und Kenntnis dieser Behandlung nicht bekannt geworden. Bei korrekter Medikation profitieren die meisten ADS-Patienten, wobei das Ansprechen recht unterschiedlich ist. Natürlich wird nur beim Vorliegen einer deutlichen ADS-Symptomatik medikamentös behandelt, wobei verschiedene Faktoren eine Rolle spielen können. Im Vordergrund steht sicher der Leidensdruck des ADS-Patienten. Zu lange ist in vielen Fällen die Odysee nicht oder falsch behandelter, zu groß das Leid nicht oder zu spät erkannter Kinder oder Erwachsener, bzw. betroffener Familien.
Neben der medikamentösen Basisbehandlung sind häufig zusätzliche Maßnahmen und Therapien nötig, bzw. meist erst durchführbar! Je nach Alter kommen dabei v.a. in Frage:

  • in jedem Fall Aufklärung und Information über das ADHS in Familie und Schule (Abbau von Schuldgefühlen, bisher „alles falsch gemacht" zu haben, endlich eine Erklärung, warum das vorhandene Potential so unerklärlich nicht ausgenützt werden kann!)
  • Beratung des Patienten sowie der Familie, v.a. Festlegen von Strukturen, festen Grenzen etc., für Jugendliche und Erwachsene eigentliches „coaching" des Tagesablaufes

Verhaltenstherapie:

  • Vermittlung von Lernstrategien
  • Selbstinstruktionsprogramme, „Aufmerksamkeitstraining"
  • familiäres und soziales Interaktionstraining
  • Aufbau des Selbstwertgefühls
  • Gruppentherapie, evtl. Besuch von ADS-Gruppen u. dgl.

Funktionelle Therapie:

  • Psychomotorik
  • Sensomotorische Integrationstherapie und ähnliche Übungsprogramme

Psychotherapie bei schweren reaktiven Störungen oder neurotischen Entwicklungen.

Sonderpädagogische Maßnahmen

  • Einschulung in Kleinklassen/ Förderschulen
  • Repetition bei drohender Überforderung
  • Förder-, Stütz- oder Zusatzunterricht
  • geeignete Berufswahl und -vorbereitung

Wichtig: Ohne eine exakte medikamentöse Einstellung sind alle oben beschriebenen Maßnahmen leider oft wenig effektiv oder gar unmöglich!
Trotz der vielen Probleme dürfen wir nie vergessen, dass alle ADS-Patienten viele positive Eigenschaften aufweisen, die immer wieder gefördert und verstärkt werden sollen. Angehörige und alle weiteren Bezugspersonen sollten versuchen, den häufig so unglücklichen und missverstandenen ADS-Patienten den Rücken zu stärken und ihnen möglichst oft ein Erfolgserlebnis zu vermitteln. Dadurch werden sie zudem noch viel mehr von der nicht selten ausgesprochenen Intuität, Phantasie, Originalität, Kreativität und Sensibilität vieler ADS-Patienten profitieren können!


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